Endlich mobil! Eine Liebeserklärung an mein Handbike

Radfahren ist in der Stadt, in der ich lebe, die Fortbewegungsart der Wahl. In einem Jahr habe ich 2500 km mit meinem Handbike zurück gelegt, davon nur ungefähr 280km auf Radtouren, den Rest im Stadtverkehr. Nach einem Streit mit meiner Krankenkasse, der ein dreiviertel Jahr gedauert hat, war ich überglücklich und auch jetzt noch, wenn ich wegen Reparaturen doch mal wieder ein paar Tage mit dem Bus habe fahren müssen, flitze ich manchmal grinsend durch die Gegend.

Anfangs teilte ich die Faszination der Leute für mein Gerät, beantwortete gerne Fragen zu diesem halben, umgedrehten Fahrrad und konnte so meinem Stolz Ausdruck verleihen. Nach wenigen Wochen ließ ich dann aber doch die Erkenntnis zu, dass Behinderte genauso wenig einfach nur Rad fahren, wie sie einfach nur einen Hund haben können… Entweder steht die Außergewöhnlichkeit des Gerätes zur Debatte, man bewundert, wie sehr meine Mobilität dadurch gesteigert wird oder gleich meine ganze Person, die dadurch wahlweise an frischer Luft/ Bewegung/ positivem Lebensgefühl und Coolness gewinnt. Dass ich gerade auf dem Weg in den Supermarkt bin und dafür halt mein Fahrrad nutze, wie es viele Leute tun, dass es scheiße ist, dass ich für diese Selbstverständlichkeit sehr viel Geld aufbringen und mich mit sehr vielen Stellen auseinander setzen musste und vor allem: woran das eigentlich liegt, darüber wird nicht nachgedacht.

„Das ist ja toll, was für ein besonderes Gerät.“

„Naja, so besonders auch nicht, es ist eigentlich nur Fahrradtechnik.“

„Doch, wirklich sehr außergewöhnlich. Kannst du damit auch rückwärts fahren?“

„Ich sage ja: Fahrradtechnik. Können Sie das mit Ihrem Fahrrad?“

„Nein, aber es hätte ja sein können…“

„Eigentlich nicht…“

Es ist in der Tat toll, dass ich nicht mehr 45 Minuten Bus fahre, sondern mit meinem Handbike in 10 Minuten am Ziel bin. Ich habe an Mobilität gewonnen und das ist großartig. Für mich, nicht unbedingt für Fremde, denen ich beim Einkaufen begegne. Auch Menschen aus meinem Umfeld dürfen sich mit mir freuen, die haben aber auch meinen Kampf um das Gerät verfolgt und erleben es heute in meinem Alltag. Das selige Wohlwollen anderer Leute ist dagegen zum Kotzen überflüssig…

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